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Spielstadt „Mini-München“

Mini-München, die Spielstadt für Kinder und Jugendliche

Für wen? Für Kinder und Jugendliche, die Wirtschaft, Geld, Arbeit, Mitbestimmung und Verantwortung nicht nur erklärt bekommen, sondern selbst erleben möchten.

Worum geht es?

Mini-München ist eine Spielstadt für Kinder und Jugendliche, die in den Sommerferien aufgebaut wird.

Die Kinder bekommen einen Pass und 5 MiMü Startgeld. Dann geht es zum Arbeitsamt: einen Job suchen oder studieren.

Für jede Stunde Arbeit gibt es 5 MiMü. Davon wird 1 MiMü als Steuer abgezogen.

Das verdiente Geld kann gespart oder ausgegeben werden, zum Beispiel für Kino, Restaurant oder Taxi.

Wer mindestens vier Stunden gearbeitet und vier Stunden studiert hat, wird Vollbürger*in und darf wählen, sich selbst zur Wahl stellen und ein eigenes Gewerbe gründen.

Eltern haben keinen Zutritt. Ein Team aus sozialpädagogischen Fachkräften ist vor Ort, im Großen und Ganzen organisieren sich die Kinder aber selbst.

In der Spielstadt gibt es unter anderem:

  • eine Bank
  • ein Gericht
  • einen Stadtrat
  • ein Arbeitsamt
  • Unternehmen
  • eine Hochschule
  • eine Streitschlichtungsstelle

Und wenn Kinder mehr Jobs oder niedrigere Steuern wollen, können sie ihre Interessen auch politisch vertreten und demonstrieren.

Was mir gefällt

Hier wird Finanzbildung nicht erklärt. Sie wird erlebt.

Kinder verdienen Geld, zahlen Steuern, entscheiden selbst, wofür sie es ausgeben, und erleben unmittelbar die Folgen ihrer Entscheidungen.

Gleichzeitig müssen sie Konflikte lösen, Verantwortung übernehmen, mit anderen verhandeln und sich in einer Gemeinschaft zurechtfinden.

Besonders stark finde ich, dass Erwachsene nicht ständig danebenstehen und vorgeben, wie es richtig geht.

Die Kinder bekommen einen Rahmen, aber innerhalb dieses Rahmens müssen sie selbst handeln, entscheiden und Lösungen finden.

Genau darin liegt für mich ein großer Unterschied zu vielen klassischen Finanzbildungsangeboten.

Was mich weniger überzeugt

Der größte Nachteil ist eigentlich kein inhaltlicher, sondern ein praktischer:

Mini-München gibt es nur zeitlich begrenzt und nicht überall.

Das macht das Angebot besonders, aber eben auch schwer zugänglich für Familien, die nicht in München oder Umgebung wohnen oder genau in diesem Zeitraum teilnehmen können.

Kompetenz-Check

🟢 Selbstwirksamkeit
Kinder treffen eigene Entscheidungen und erleben direkt, dass ihr Handeln Konsequenzen hat. Sie können arbeiten, studieren, Geld verdienen, ein Gewerbe gründen oder sich politisch engagieren.

🟢 Finanzmanagement
Geld verdienen, Steuern zahlen, sparen und ausgeben werden praktisch erlebt. Kinder müssen selbst entscheiden, wie sie mit ihrem MiMü umgehen.

🟡 Konsumkompetenz
Kinder entscheiden selbst, wofür sie ihr Geld ausgeben. Eine bewusste Reflexion darüber, warum sie etwas kaufen oder welche Konsumstrategien auf sie wirken, steht aber nicht automatisch im Mittelpunkt.

🟡 Wirtschaft verstehen
Arbeitsmarkt, Unternehmen, Steuern, Geldkreisläufe und staatliche Strukturen werden erfahrbar. Wie gut sich daraus wirtschaftliche Zusammenhänge erschließen, hängt aber auch davon ab, ob die Erfahrungen anschließend reflektiert werden.

🟢 Werte & Verantwortung
Demokratie, Mitbestimmung, Konfliktlösung und gemeinschaftliche Verantwortung sind zentrale Bestandteile der Spielstadt.

Gesprächspotenzial: sehr hoch

Mini-München bietet unglaublich viele Anknüpfungspunkte für Gespräche:

Warum werden Steuern gezahlt?

Warum sind manche Jobs beliebter als andere?

Was mache ich mit meinem verdienten Geld?

Was bedeutet es, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Wie entstehen Regeln in einer Gemeinschaft?

Was ist fair?

Und was kann ich tun, wenn ich mit einer Entscheidung nicht einverstanden bin?

Gerade weil die Kinder diese Situationen selbst erlebt haben, entstehen daraus oft ganz andere Gespräche als nach einem Arbeitsblatt oder einem Buch.

Kosten

Die Teilnahme ist kostenlos.

Mein Fazit

Für mich ist Mini-München eines der beeindruckendsten Beispiele dafür, wie Finanzbildung aussehen kann.

Nicht als Arbeitsblatt, Buch oder App.

Sondern als echte Erfahrung.

Kinder erleben Geld, Arbeit, Steuern, Konsum, Wirtschaft, Demokratie und Verantwortung unmittelbar und müssen selbst Entscheidungen treffen.

Genau dadurch entsteht ein Lernraum, der weit über reines Finanzwissen hinausgeht.

Schade ist nur, dass es ein solches Angebot nicht überall und dauerhaft gibt.

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